Kaufmann | Nordpol | Ulrich | Dora | Siegfried | Emil | Nordpol

Ein Schiff ohne Namen bringt Unglück. Ein Wohnmobil ohne Namen, mindestens Mord und Totschlag. Altes Koboldsgesetz. Ich will mein Leben nicht länger aufs Spiel setzen. Meine Schutzengel haben eh schon Burnout. Sie müssen erstmal Überstunden abfeiern. Ein Name muss her.

Lange bin ich davon ausgegangen, dass ich mit einer alten Dame unterwegs bin. Zwei Damen auf dem Asphalt. In der Ferne. Zwischen Brummifahrern und Testosteron getankten Raudis. Das gefiel meinem feministischen Über-Ich. Aber alles Käse. Es ist ein Mann. May I present you:

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Knudsen – eine friesische Schönheit mit treuen Augen und japanischen Wurzeln. Auf der Autobahn schaltet er gerne mal einen Gang runter. Hauptsache gemütlich. Mit seinem stupsnäsigen Ersatzrad und der ausgeprägten Überaugenwulst (Alkoven) ist er jetzt nicht gerade der typische Frauenschwarm. Aber er hat Charakter und gesunde Knochen. Erst vor drei Monaten hat er ein nigelnagelneues Hüftgelenk (Zahnriemen) bekommen. Seitdem löst er in Stuttgart immer wieder Party- und Feinstaubalarm aus. Ein Draufgänger mit Blutdruckmessgerät:

Name: Knudsen.

Geburtsjahr: 1986.

Gewicht: 2,3 Tonnen (ohne Schokoladen-Vorräte: 2,1 Tonnen).

Lieblingsdrink: Diesel on the rocks. Manchmal auch LKW Diesel, wenn das Geld am Ende des Monats wieder knapp geworden ist. 11 Liter auf 100 Kilometern.

Bester Freund: Waldi, der Wackeldackel.

Größter Traum: Auf dem Kopfsteinpflaster der Champs-Élysées dahinschweben.

F-A-Q

Immer wenn ich meine Geschichte erzähle, ploppen bei meinem Gegenüber Fragen auf. Sie ähneln sich und ich ertappe mich, wie ich beim Antworten in eine sprachliche Routine verfalle. So als ob ein Pressesprecher in mir wachgeküsst werden würde und die „Wohnmobil“-Platte abspielt. Mit festgezurrter Krawatte und papierweißen Zähnen stellt er sich den Fragen der Journalisten.

Hier die Top 5 der meist gehörten Fragen:

Hast du keine Angst?

So richtig Angst und Bange ist mir im Wohnmobil noch nicht geworden. Klar, es gab Momente, in denen sich mein Herz wie eine getrocknete Pflaume angefühlt hat. Zum Beispiel als in der ersten Nacht ein Ast auf mein Dach gekracht ist oder als ich viele Männerstimmen direkt vor meinem Wohnmobil gehört habe, sie dann abrupt verstummten und schließlich weiterzogen. In meinem Kopf ist ein Film angesprungen. Wo ist mein Pfefferspray? Was könnten Sie wollen? Wie würden Sie reagieren, wenn Sie meinen Look, Oma-Socken mit Textil-Shabby-Chic, sehen würden? Ich musste schmunzeln – meine Wände sind dünn, aber das Fell ist dick. Und wenn etwas passiert, kann es überall passieren. Warum also in meinem WoMo, das von außen super ranzig ausschaut? Diesen schäbigen Eindruck pflege ich übrigens akribisch. Im Fahrerhäuschen liegen angeschimmelte Joghurtbecher herum. Alles Tarnung, Leute!

Fühlst du dich nicht einsam?

Bei dieser Frage muss ich eine innere Horde „Hähs“ unterdrücken, die wie Kohlensäure an die Oberfläche sprudeln wollen. Warum sollte ich einsam sein? Ich wohne in einer Einzimmerwohnung auf Rädern, mitten in der Zivilisation. Nur wenn ich verreise, suche ich verlassene Orte auf, weil ich den Trampelpfaden aus dem Weg gehen möchte. Das ist gewollte Einsamkeit.

Wie gehst du auf Toilette?

Aus fünf OSB-Platten hat mein Fast-Schwager einen Thron zusammengezimmert. Mit der Stichsäge ein Loch herausgeschnitten, eine gepolsterte Kinderklobrille mit Fischen eingefügt und Spanngurte für einen 10-Liter-Eimer mit Deckel von Obi angebracht.

Nachdem ich auf Toilette war, streue ich einen halben Messbecher Kleintierstreu über mein Werk. Kleine Anekdote: Immer wenn ich Kleintierstreu kaufe, kommen Kindheitserinnerungen hoch, weil ich an mein Kaninchen „Muckibudi“ denken muss, das leider an Skorbut erkrankt und von mir gegangen ist. Rest in peace, kleiner Seehase. Zurück zum Klosett: Alle 10 Tage leere ich meine Pippibox. Dazu eignen sich besonders gut die späteren Abendstunden. Ich schleiche mich mit meinem quietschorangenen Eimer aus dem Wohnmobil und suche ein Waldstück auf.

Hast du Internet?

Um mich ins WLAN meiner Nachbarn einzuhaken, fehlen mir die fachlichen Kompetenzen. Die Namen der WLAN-Verbindungen sprechen schon für sich: „Hexenhaus“, „Ninjas89“, „8Ball“. Eine Sprache, deren Potential sich vielleicht in einem Haiku entfalten könnte. Oder auch nicht. Naja, Internet habe ich auf jeden Fall. Ein Handy-Hotspot macht‘s möglich. Filme streamen, kein Problem.

Was fehlt dir am meisten?

Ein Schreibtisch. Definitiv. Mit der Kälte kann ich mittlerweile umgehen, aber keine anständige, waagerechte Platte zu haben, bringt mich auf die Palme.

Ich muss etwas dagegen tun und den bisherigen „Tisch“ herausschmeißen. Er ist schief und wackelt. Optisch ne Wucht, aber in funktionaler Hinsicht ein leeres Versprechen. Aber wenn ich daran denke, wie viele Schweißtropfen aus den Poren meines Schwagers herausgetreten sind, als er mit der Kettensäge den Baumstamm zerlegt hat, dann kann ich mich nicht davon trennen.

Winterschlaf

Anhand des Aggregatzustands meines Honigs und einem Löffel kann ich die Außentemperatur bestimmen. Löffel hineinstoßen, angespannter Bizeps = null Grad draußen. Geschmeidiges Eintauchen = es wird milder. Flüssige Fäden = der Sommer kommt zurück.

Momentan ist mein Honig steinhart. Hart sind auch die Nächte. Ich muss mir etwas für meine Nasenspitze einfallen lassen. Alles ist eingepackt, sogar der Kopf. Nur die Nase, diese abgefahrene 3D-Konstruktion, guckt raus und macht Probleme. Ich bräuchte eine Clownsnase aus Lammfell und breiten Gummibändern. Wenn ich „Reinhold Messner“ und „Kalte Nasenspitze“ eingebe, ploppen bei Google Images Bilder von erfrorenen Gliedmaßen auf. Och nö. Wie machen das denn die Profis?

Eine Heizdecke könnte des Problems Lösung sein. Aber mit 26? So habe ich mir die Blütephase meines Lebens nicht vorgestellt. Nein, Heizdecke ist ultima ratio. Heizdecke ist Oettinger. Heizdecke ist Dreier-Margarita-Pizza von Tip.

Vielleicht befolge ich den Rat meiner Freundin. Ihre Idee: heißes Wasser in Plastikflaschen füllen und die Buddeln einfach ins Bett legen. Einziger Haken: ich habe kein fließendes Wasser. Meine Quelle plätschert bei der Arbeit oder ein paar Straßen weiter, in einer öffentlichen Toilette. Unpraktisch. Denn schon jetzt habe ich das Gefühl, dass meine Fingernägel den Bürgersteig berühren, wenn ich vom Wasserholen wiederkomme.

Vielleicht sollte ich mir einen Heizlüfter kaufen. Aber die Dinger haben so einen gefräßigen E-Heißhunger. Da können meine Stromeltern gleich eine Hypothek auf ihr Häuschen aufnehmen. Das möchte ich nicht. Apropos Stromeltern. Gestern habe ich meine Wertsachen bei ihnen abgeholt. Ich hatte sie letzte Woche bei ihnen deponiert, weil ich in Berlin war. Wie in einem Pfandhaus. Wir haben nur kurz geplaudert, als die „Die Frau“ plötzlich etwas hinter ihrem Rücken hervorzauberte. Peter und „Die Frau“ standen da wie stolze Chorknaben. „Erst am 1. Dezember aufmachen“, sagte „Die Frau“ und überreichte mir ein Paket. „Optimal“ prustete es aus Peter heraus. Keine Ahnung, worauf es sich bezog. Fest stand nur, meine Tränendrüsen wollten herunterlaufende Tränen, Taschentücher und wilde Umarmungen. Aber ich habe mich gefangen, bin aus der Haustür marschiert und habe gedacht: Alter Falter, das war gerade der schönste Moment des Tages.

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Crocs Monsieur

Es ist Sonntagabend. Ich komme zurück aus München. Die Straßen glänzen und mein Wohnmobil ragt wie ein Eisberg aus der Parkreihe hervor. Ich bin beruhigt. Es ist nicht explodiert, ausgebrannt oder verschleppt worden.

Im Inneren meines Iglus sind es vier Grad. Kurz vor dem Gefrierpunkt. Ich könnte heizen, den Zünder meiner Gasheizung habe ich reparieren lassen, aber die Gasflasche ist so gut wie leer. Es nützt alles nichts, ich muss wieder auf Steckdosen-Suche gehen. Die ersten Türen öffnen und schließen sich genauso schnell wieder. Kein Glück – bis ich Inge und Peter treffe. Ein älteres Ehepaar mit Vorgarten und angemoosten Gartenzwergen. Ich stehe vor ihrer Haustür und erkläre ihnen, dass mir kalt ist. Peter fackelt nicht lange, schnallt seine weißen Crocs mit Lammfell-Fütterung unter und kramt eine Kabeltrommel hervor. Auch Inge ist in Aufruhr. Sie schlüpft in ihre gepunkteten Crocs und sucht Taschenlampen und Absperrband. „Wir sind eingefleischte Camper. 30 Jahre sind wir losgezogen. Jetzt haben wir alles verkauft.“ – Peters Augen leuchten. Beide crocsen durch den Vorgarten. Aufgeregt wie Kinder. Ich schaue nur noch zu und lasse es geschehen.

Peter legt das Stromkabel in eine Plastikhülse auf den Bürgersteig. „Die Frau“, wie er sagt, wickelt Absperrband um die Leitung. Mit zwei großen Steinen beschweren sie ihre Konstruktion. Danach laden sie mich in ihr Wohnzimmer ein. Es ist gemütlich. Zwei Fernseher laufen.

Peter erzählt mir von seinem Sohn, der ihm eine Niere gespendet hat. Peter hat sie auf den Namen „Regina“ getauft, weil sie sich auf der rechten Seite befindet. Links sitzt „Lisa“. Krasse Freakshow, denke ich ganz leise und hoffe, dass sich diese wirren Gedanken nicht in meinem Gesicht widerspiegeln.

Ein netter Plausch und eine Verabschiedung auf der Türschwelle. Meine Adoptiv-Strom-Eltern winken. Zurück im Wohnmobil. Die E-Heizung und meine Bäckchen glühen auf im Lampenlicht.

Seit unserer ersten Begegnung schreiben mir Peter und „Die Frau“ kleine Briefchen. Sie kleben an meiner Wohnmobil-Tür. Manchmal pflanze ich mich abends nach der Arbeit noch auf ihre Couch. Sie erzählen mir von ihren Camp-Abenteuern und blühen dann auf. Eine Politesse soll auch schon vorbeigekommen sein, sagt „Die Frau“. Sorgen soll ich mir aber keine machen. Ihr Mann und sie würden beim Zollamt arbeiten. Augenzwinker.

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From hell: Frau H. aus B.B.

Ich lebe in einer WG. Meine Mitbewohnerin heißt Kälte. Sie legt sich auf alle Oberflächen. Und besonders gerne auf das Bettlaken. Wie ein Fisch im Sushi rolle ich mich in meine Decke ein. Immer noch da, diese Kälte. Das Quecksilber im Thermometer sinkt auf sieben Grad. Meine Nase ist rot.

Ein Blick nach draußen. Durch die Zypressenhecke schimmert das Licht der angrenzenden Häuser durch. Viele Villen und Neubauten. Es sieht gemütlich aus.

Ich mache mich auf den Weg. Mit Körbchen, Wärmflasche und Decke – wie Rotkäppchen. Unschuldig und bedürftig.

Vier Namen, ein zufälliges Klingeln, Licht im Erdgeschoss. Ein Herr, Ende 60, in einem schwarzen Rollkragenpullover, tritt hervor. Ich stelle mich vor und frage, ob ich seinen Strom mitbenutzen dürfte. Im 1. Stock schiebt eine ältere Dame die Gardine weg. „Das muss ich erst mit meiner Frau besprechen.“ Er stampft die Treppe hoch. Ich warte. Die Gardine bewegt sich. Er kommt zurück und schüttelt mitleidig den Kopf. „Ja, also ich hätte ja nichts dagegen, aber meine Frau… .“ Schade, adieu Pantoffelheld.

Wieder klingeln. Eine Frau mit blonden Strähnchen, mandelförmigen Augen und Mittelscheitel hastet zur Eingangstür. „Sorry, ich muss zum Elternabend!“ Zwei Sekunden Augenkontakt. Zwei Sekunden Sympathie. Ich kann sie jetzt nicht ziehenlassen, sagt mein Bauch. Also dreist sein: „Schuldigung, würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich Ihren Strom anzapfe?“ „Kein Problem, ich muss nur jetzt los. Draußen auf der Terrasse ist eine Steckdose. Einfach anschließen.“ Sie ist weg. Ich stehe wie angewurzelt vor den Briefkästen. „Einfach anschließen?“ Ich strahle über alle vier Backen. Sie möchte noch nicht mal Geld. „Geht schon in Ordnung“. Ich bin geplättet. Ich laufe zurück zum Wohnmobil. Ich krame das Elektrokabel hervor, schließe die Lakritzschnecke an das Wohnmobil an und werfe den restlichen Kabelsalat durch die Hecke. Mist, zu kurz.

Der Herr aus dem 1. Stock schaltet sich ein. In seiner Hand, eine Kabeltrommel. Guter Mann, doch kein Pantoffelheld. In Hausschuhen marschiert er durch das nasse Gras und verlegt die Kabel. Dann frage ich ihn, ob er Lust auf einen Tee in meinem Wohnmobil hätte? „Nein, meine Frau wartet mit dem Abendbrot.“

Im Wohnmobil drehe ich die Elektro-Heizung auf. Der Heizstab im Inneren glimmt auf. Wie ein Toaster. Ich kauere mich vor meinen Kamin und ziehe gleichzeitig an der Schnur meiner Stehlampe. An, aus, an, aus. Ich habe Licht. Diesen Moment würde ich am liebsten mit allen Leuten aus dem Telefonbuch teilen. Ein Rauschgefühl. Glücksseligkeit. So wie nach meiner bestandenen Führerschein-Prüfung oder nach der Volo-Zusage. Alle Arme offen. Alle Hände ausgestreckt. Alles ist möglich.

Avant et après

Se sentir à l’aise. Ce n’est pas facile. Quand je me suis acheté ma roulotte, je me suis pas tout de suite sentie chez moi. L’odeur du propriétaire précédent se cachait encore dans les vieilles armoires. Ce n’était pas une odeur désagréable mais pas vraiment bonne non plus. Un mélange de mousse, de chaussettes de tennis portées et de serviettes tièdes.

J’ai utilisé les couverts d’un étranger, j’ai dormi sur le matelas d’un étranger et je me suis emballée dans le sac de couchage d’un étranger. C’était comme un feu d’artifice, caché par des buissons. J’ai été euphorique et freinée à la fois.

Depuis la première nuit, j’ai attendu le voyage dans le Nord, chez ma famille. Fin septembre, c’étaient enfin mes vacances. J’ai roulé pendant 10 heures. Sur les derniers kilomètres, j’ai suivi un camion rouge. Quand il a pris la sortie sur l’autoroute, j’ai chanté « Goodbye, my lover, goodbye my friend ». J’ai été complètement foutue.

Une bonne nuit de sommeil et toutes les synapses se sont remises à leur place.

Mercredi, j’ai chauffé ma carte bancaire. J’ai acheté un nouveau sol PVC, des bombes et une couette en duvet. 80% duvet, 20% plumettes. Mon expérience sur les animaux contre des pieds gelés.

Avec mon beau-frère, j’ai commencé les travaux jeudi dernier. Le début a été bordélique. « Est-ce que tu es sûr que le vernis blanc de la bombe sera joli sur le plafond ? », « Est-ce que tu es sûr qu’on n’a pas besoin de mettre une bâche pour protéger le sol contre des tâches de peinture ? »,« Est-ce que tu crois qu’on ne devrait pas appeler le centre de contrôle technique pour demander si on a le droit de changer l’intérieur d’une voiture ancienne ? » (PS. : En Allemagne, les voitures anciennes qui ont plus de 30 ans portent un « H » à la fin de la plaque. H = Historique. On reçoit le H si on n’a pas modifié la voiture. J’ai réçu le H avant ma folie de bricolage. Trop bien. Une fois reçu, on ne le perdra plus.)

Mon beau-frère, ce n’est pas quelqu’un qui réfléchit longtemps, c’est quelqu’un qui agit. Pourquoi pas ? Mon seul souhait: ne pas voir ces placards, cette tristesse de fausse chêne, les prochains 365 jours. Le plan : peindre le plafond et les placards à la bombe. Le plafond en blanc, les placards en ivoire. Pendant toute une soirée, je me suis donnée la peine de réduire ma propre espérance de vie. Le lendemain, j’ai été tellement déçue. La couleur dite « ivoire » ressemblait à un fromage moisi. Non, merci. Je suis retournée dans le magasin de bricolage pour acheter trois litres de peinture blanche laquée.

Nous avons peint le plafond trois fois et le reste deux fois. J’ai encore des traces blanches dans mes mèches de cheveux. Je les garde. Elles me rendent plus mûres. Bref.

Après la peinture, nous avons attaqué le sol et l’électricité. Une voisine de mon beau-frère, une néerlandaise, vend un tas de trucs dans son vide grenier. Parmi ses trésors, trois lampes à 220 volts avec un bouton pour allumer et éteindre la lumière. Comme d’habitude, mon beau-frère s’est investi à fond. Il a encore mobilisé un autre voisin pour réaliser le montage.

Baigné de sueur, il a scié deux tranches d’un tronc d’arbre. Ensuite, il les a liées avec une branche. Et voilà, la nouvelle table a été née. Génial.

L’accord final et la cerise sur le gâteau : mes toilettes écolo. Cette fois, j’ai été aidée par mon autre beau-frère, le copain de l’autre sœur. Dans le magasin de bricolage, j’ai acheté tous les ingrédients : des panneaux de grandes particules orientées, un abattant de W.C. pour enfant, quelques angles, un paquet de sciure de bois et un seau avec couvercle. Mon beau-frère a monté mes toilettes dans la salle de bain. C’était très serré mais mon trône rentre dedans. Il est confortable et durable surtout.

Mon résumé pathétique : Les façades et l’intérieur de mon camping-car respirent l’optimisme, l’énergie et la bonne humeur. Ma famille m’a tellement soutenu. Quand je leur ai expliqué mon idée avec les toilettes écolo, elle a secoué la tête mais finalement elle m’a aidé jusqu’au bout. Avec ces lignes, je leur envoie un merci qui touche les nuages. Je vous embrasse. Et pour vous, pas de bisous mais les photos : 

A V A N T

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A P R E S

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Vorher, nachher

Sich wohlfühlen. Das ist so eine Sache. Als ich mir vor drei Wochen mein neues Zuhause gekauft habe, ist der Wohlfühl-Funke nicht sofort übergesprungen. Der Muff der Vorbesitzer hing noch in den Schränken. Der Geruch war nicht unangenehm, aber auch nicht einladend. Eine Mischung aus Moos, gebrauchten Tennissocken und warmen Handtüchern. Ich benutzte fremdes Geschirr, lag auf einer fremden Matratze und krümelte mich in einen briefmarkendünnen Schlafsack. Es fühlte sich an, wie ein Feuerwerk, das von Büschen verdeckt wird.

Ich wartete also sehnsüchtig auf meinen Urlaub, Ende September. Endlich in den Norden, endlich nach Hause, zu meiner Familie. Die 10-Stunden-Fahrt war anstrengend. Auf den letzten hundert Kilometern bin ich im Windschatten eines roten LKW gefahren. Als er langsam auf die Ausfahrt „Meppen“ zurollte, habe ich mich mit „Goodbye, my Lover“ von ihm verabschiedet. Ich war absolut gar im Kopf.

Eine Mütze Schlaf und alle Synapsen waren wieder an Ort und Stelle.

Am Mittwoch war ich erstmal shoppen. Neuen PVC-Belag, Spraydosen und eine Daunenbettdecke. 80% Daunen, 20% Federn. Mein Tierversuch gegen kalte Füße.

Mit meinem Schwager habe ich dann am Donnerstag losgelegt. Der Anfang war Kamikaze pur. „Meinst du, der weiße Lack aus der Sprühdose macht sich gut an der Decke?“, „Sollten wir eigentlich vorher beim TÜV anrufen und nachfragen, ob wir einen Oldtimer überhaupt im Innenraum verändern dürfen?“, „Achso, wir legen beim Streichen keine Folie aus?“

Mein Schwager ist ein Macher. Da wird nicht lange geschnackt, da wird losgeschraubt. Was kann schon schief gehen? Mein einziger Wunsch: Die nächsten 365 Tage nicht in einem Eichen-Fake-Furnier verbringen, das dunkel und verlebt aussieht. Es sollte heller werden. Daher der Plan: die Decke in weiß und die Türen in elfenbein ansprayen. Einen Abend lang habe ich aktiv meine Lebenserwartung nach unten gesprayt. Dann war mein Werk vollbracht. Am nächsten Morgen war ich total enttäuscht. Es sah aus wie vergammelter Käse. Also Plan B. Ich bin wieder in den Baumarkt gefahren, der übrigens „Nix wie hin“ heißt und habe literweise weiße Lackfarbe besorgt.

Die Decke haben wir dreimal, die Schranktüren und den Rest zweimal gestrichen. In meinen Haarsträhnen klebt immer noch weiße Farbe. Macht mich irgendwie älter und reifer. Lass ich drin.

Nach der Farbe folgten Boden und Licht. In der Nachbarschaft meines Schwagers vertickt eine Holländerin ziemlich viel Stuff. Wir haben sie liebevoll Lampenuschi getauft. In ihrem unerschöpflichen Fundus – auch drei 220 Volt Lampen mit An- und Ausknopf. Gar nicht so einfach zu finden. Auch hier hat mein Schwager alles gegeben und noch einen anderen Nachbarn mit Messgerät mobilisiert.

Schweißüberströmt hat er mir dann noch zwei Platten aus einem Baumstamm herausgesägt und diese mit zehn Zentimeter langen Powernägeln verbunden. Fertig war der neue Tisch. Genial.

Schlussakkord, Trommelwirbel und Sahnehäubchen bildete dann das Öko-Klo. Wieder war es mein Schwager. Aber dieses Mal der Freund meiner anderen Schwester. Im Baumarkt habe ich mir OSB-Platten zurechtschneiden lassen, einen Kinder-Klodeckel, viele Winkel, eine Packung Kleintierstreu und einen Eimer mit Deckel geholt. Im „Badezimmer“ hat mein Schwager das Klosett zusammengezimmert. Das war wirklich Maßarbeit, aber es passt. Der Thron ist echt gemütlich. Und vor allem nachhaltig. Aber mehr dazu ein anderes Mal.

Resümee mit einer Extraportion Pathos: In diesem Wohnmobil steckt so viel guter Wille, Energie und Schweiß. Als ich meiner Familie zum Beispiel von der Idee mit dem Öko-Klo erzählte, haben sie den Kopf geschüttelt und mich dennoch unterstützt und Stichsägen besorgt. Ich schicke meinen Nordlichtern ein wolkenkratzendes Danke und umarme euch. Hier die Bilder:

V O R H E R

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N A C H H E R

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Sie haben Ihr Ziel erreicht. In 10 Stunden.

Noch einmal schlafen in Stuttgart. Noch einmal bei der Arbeit morgen früh Zähne putzen. Dann geht die große Reise los. Ich habe gerade nochmal den Ölstand und das Kühlwasser gecheckt. Das scheint alles in Ordnung zu sein. Was den Reifendruck angeht, habe ich wirklich keine Ahnung. Was ich weiß: Mein WoMo wird unheimlich kämpfen müssen. Von Stuttgart bis Mannheim und von Monnem nach Köln nehme ich jeweils zwei Personen via blablacar mit. Ich habe die vier schon vorgewarnt, dass wir eher nicht brettern, sondern mit den Brummis mitschwimmen. Noch hat niemand storniert. Ich freue mich also auf die Leute, die mein kleines Abenteuer mit mir teilen werden.

Etwa zehn Stunden Fahrt liegen vor dem WoMo (es bekommt bald einen Namen) und mir. Das sagt zumindestens der ADAC-Fahrtenrechner mit „Caravan“-Option. 650 Kilometer. Nur. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit wird – wenn alles gut läuft – 90km/h betragen.

Am Mittwoch habe ich direkt einen Termin beim Solar-Fritzen. Hoffentlich geht das technisch klar. Am Donnerstag werde ich mir dann eine neue Matratze kaufen, Vorhänge nähen, generell ausmisten, vielleicht außen ein bisschen streichen.

Viel vor. Aber jetzt erstmal gut schlafen und beten und Daumen drücken.

Nerven-Kienzle

In dieser neuen Umgebung bin ich Geräusch-Analphabetin. Ich lerne jeden Tag dazu. Das Alphabet besteht aus wiederkehrenden Tönen und aus solchen, die mich überraschen und flüchtig sind. Abends liege ich in der Koje, über dem Fahrerhaus. Meine Ohren wachsen zu Kaninchenlöffeln an. Ein Geräusch habe ich dabei besonders gern:

Es ist das Ticken dieser kleinen Uhr im Armaturenbrett. Das Ticken ist kein dynamisches, juveniles Ticken, nein, es ist kantig, hart und männlich. Dieses kleine Schlagwerk tickt mich in den Schlaf und verleiht meinem unkonventionellen Wohnstil einen Hauch Spießig- und Bürgerlichkeit. Ja, fast schon Büro-Atmosphäre. Ich finde diesen Kontrast großartig. In vielen Filmen rückt das Uhrenticken als Stilmittel in den Vordergrund, wenn sich zwei Menschen nichts mehr zu sagen haben. Es ist meistens negativ konnotiert. Für mich ist es der erste Schritt in Richtung Häuslichkeit.

Es erinnert mich auch an die alte Büffetuhr meiner Großeltern. An das goldene Ziffernblatt und das geschwungene Holzgehäuse.

„Kienzle“ steht auf der 3×3 Zentimeter großen Uhr. Meine Recherchen haben ergeben, dass es sich hierbei um die älteste deutsche Uhrenmarke handelt. 1822 tickten ihren Vorfahren zum ersten Mal. Oldtimer auch hier also. Gerne würde ich wissen, für wen diese Uhr in der Vergangenheit schon getickt hat. Und wie lange sie noch Ticken wird.

Wenn ich den Motor laufen lasse, wird das Ticken verschluckt. Es verstummt. Der Motor dominiert die Manege. Er ist ein Brummbär, der sich nicht von alleine bewegt, sondern den man erst dazu auffordern muss.

Beide Geräusche, sowohl das Ticken als auch der Motor, sind jetzt mein zu Hause.